Im Laufe des letzten Jahrzehntes hieß es, die Arktis verfüge über 20 Prozent der gesamten Erdöl- und Gasvorkommen. Heute haben die Experten allerdings einen guten Grund zu vermuten, dass es im Polargebiet viel größere Rohstoffvorkommen zu finden gibt.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass in den landfesten Erdölprovinzen wie Russland im Laufe der letzten 15 bis 20 Jahre keine einzige große Erdöl- oder Gasfundstätte entdeckt wurde. Der gesamte Förderungsanteil auf dem Festlandsockel ergibt 30 Prozent. Das bedeutet, dass die Arktis sehr bald zum Brennstoffförderungszentrum der ganzen Welt wird.
In den letzten paar Millionen Jahre machte dieses Gebiet große geologische Veränderungen durch; die Vorräte wurden verschoben. Es entstand eine ewige Eiskappe, die sich stark auf die Gasvorkommen auswirkte; danach begannen die Gletscher zu schmelzen. Der Druck begann zu fallen, was zu Gasverbreitung und sog. Eiskappen führte. Die Temperatur pendelte dabei gewaltig: vom Gletscher- bis zum Treibhauseffekt. Das Erdöl begann zu schwinden, aber das Naturgas wuchs. 2008 wurden die 5-Jahre-Forschungsergebnisse des Geologischen Dienstes der USA veröffentlicht. Seiner Auswertung zufolge überwiegen die Gasfundstätten in der Arktis – ihr Anteil ergibt 75 Prozent. Erdöl wird entweder auf großer Tiefe oder an den Beckenrändern gefunden.
Nach Angaben der Firma Total liegen die größten Gasgebiete der Arktis gerade in der russischen Polarzone. Allein in der Kara- und in der Barenzsee befinden sich Barrel Erdöl. 80 Prozent ist der Gasanteil, dabei ist Gas ein strategisch aussichtsvollerer Energieträger als Erdöl. Das ist auch der Grund für das riesige Interesse für die deutsche Arktis. Heutzutage spricht man nicht nur von den Territorien, die schon Russland und der Arktis gehören. Falls die russischen Wissenschaftler beweisen können, dass der Lomonossow-Rücken und die Mendelejew-Platte Russlands Festlandsockel fortsetzen, hat Russland ein Recht auf zusätzliche 1,2 Millionen Quadratkilometer Fläche hinter dem Polarkreis.
Russland begann schon im 19. Jahrhundert, die Polarterritorien zu erforschen, damals zwar nur das Polarmeerufer. Nachdem die Uno das Seerechtsübereinkommen 1982 akzeptierte, bekamen die damalige UdSSR und die anderen subarktischen Länder – die USA, Kanada, Norwegen und Dänemark – das Recht, ihre Wirtschaftszonen durch den Kontinentalfestlandsockel zu bereichern. Lange Zeit machte aber keines dieser Länder feste Schritte zur Erweiterung ihrer Territorien.
Trotzdem können die jetzigen Forschungsergebnisse keine konkrete Information über die Rohstoffmenge in diesem Gebiet geben. Das heißt aber nicht, dass es überhaupt keine Information gibt. Nach offiziellen Angaben vom Russischen Institut für Ozeanologie ergeben die Vorkommen des westlichen Teils der russischen Arktis etwa 42 Milliarden Erdöl und 71 Trillionen Kubikmeter Gas. Die Festlandsockel der östlichen arktischen Meere enthalten ungefähr neun Milliarden Tonnen Erdöl und zehn Trillionen Kubikmeter des sog. blauen Brennstoffes. Die Gazprom wertet die KW-Stoff-Ressourcen des Festlandsockels der Barents-, Petschora- und Kaspisee um etwa 70 Milliarden Tonnen eventuellen Brennstoff aus.
Am mindesten erforscht sind die russische Laptew-, Ostsibirische und Tschuktschensee. Dort gibt es bisher kein einziges Bohrloch. Bereits untersucht sind aber solche Territorien wie der Nordfestlandsockel Alaskas und Kanadas in der Beaufort- und der Tschuktschensee sowie die südwestlichen Wasserflächen der Barentssee und ein Teil der Petschora- und der Karasee. Die globale Klimaerwärmung kann den Geologen die Aufgabe erleichtern, weil dadurch die Eisfläche schrumpft und die Forschungsgrenzen sich somit erweitern können.
Momentan sind in der Kaspisee 13 KW-Stoff-Fundstätten entdeckt worden, von denen acht verwendet werden. Die Gasvorkommen auf dem Festlandsockel der Barents- und der Karasee ergeben ca. 4.8 Trillionen Kubikmeter Gas. Nach modernen Angaben machen die Erdölvorkommen in der Barentssee 450 Millionen Tonnen, dabei werden sie alle verwendet.
Die KW-Stoffe der Arktis können in großen Mengen in die Länder des Asiatisch-pazifischen Gebiets geliefert werden, was für Russland sehr wichtig ist, so der Leiter der Russischen Präsidialverwaltung Sergej Naryschkin:
„Die Entwicklung der energetischen Zusammenwirkung hat ebenfalls eine strategische Bedeutung für uns. Die Anfrage an KW-Ressourcen in diesem Gebiet wächst wesentlich schneller als in Europa.“
Man kann hoffen, dass sehr bald das kaum erforschte Polargebiet alle seine Geheimnisse verrät. 2012 akzeptiert die russische Regierung ein Programm für Forschung, Erkundung und KW-Rohstoffförderung auf dem Kontinentalfestlandsockel. Es beginnen vollwertige Forschundsarbeiten im russischen Polarsektor. In der nächsten Zukunft können gerade in diesem Gebiet Entdeckungen gemacht werden, die auf festem Land kaum zu erwarten sind.
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