понедельник, 28 ноября 2011 г.

South Stream vs. Nabucco: Warum verliert Nabucco das Spiel?

Für die EU ist die Diversifikation der Gaslieferung nach wie vor einer der Schwerpunkte ihrer Energetik-Strategie. Für deren Verwirklichung wurden zum größten Teil Politikressourcen verwendet. Allerdings hat diese Strategie ein Nachteil – nämlich die Angst, in Energetik-Abhängigkeit von Russland zu geraten. Ein Paradebeispiel dafür ist die Konkurrenz zweier Projekte: South Stream und Nabucco. Das eine soll einen neuen Gaslieferungskanal für den EU-Markt bilden; das andere sorgt für einen alternativen Kanal, und zwar aus dem Gebiet Kaspisee, Mittelasien und Nordafrika.

An Nabucco wird bereits seit neun Jahren gearbeitet. Dieses Projekt vereint die Gastransitbeamten von Österreich, Bulgarien, Ungarn, Deutschland, Rumänien und der Türkei. Der in diesem Jahr geplante Bau hat aber bis heute nicht begonnen, denn die Verträge mit den Gaslieferungsländern sind noch nicht unterzeichnet worden. Die Frist der ‚Papiergasleitung‘, wie man Nabucco jetzt ironisch nennt, wurde bis 2017 verschoben. 

Der Wunsch, auf das russische Gas zu verzichten, besiegte jede Vernunft. Letzten Endes trieb sich Europa selbst in die Falle, stellte der Leiter des Nationalen Energiesicherheitsfonds Konstantin Simonow fest: 

„Die EU machte keinen Hehl daraus, dass dieses Projekt kompliziert ist und Probleme hervorruft. Es hat tatsächlich keine Ressourcenbasis – daher kommen auch alle Schwierigkeiten. Wir sehen ein: Dem Projekt zufolge soll die eine Hälfte des Preises vom offenen Markt und die andere von den Teilnehmern selbst angezogen werden. Finanzkräftig sind dabei nur der deutsche RWE- und der österreichische OMV-Konzern. Auf dem Offenmarkt kann man auch kein Geld anziehen, denn die Investitionsträger stellen entsprechende Fragen: Woher stammt das Gas? An wen wird es verkauft? Also: Kein Gas, keine Investitionen; keine Investitionen, kein Projekt.“

Anfangs hatte Nabucco nämlich eine beeindruckende Liste möglicher Gaslieferanten, aber mit der Zeit wurden sie alle ausgeschlossen. Der Iran, dem die zweitgrößten entdeckten Naturgasressourcen gehören (die erstgrößten hat Russland), wurde aus politischen Gründen gestrichen. Das von der UNO eingeführte Genehmigungsverfahren verbietet Investitionen in die Gaswirtschaft Irans und Verhandlungen zum Thema Gaslieferung beim geltenden Regime. 

Es gibt große Vorkommen in Turkmenistan, aber alle Pläne scheitern schon bei den Justizbarrieren. Heute darf ohne Zustimmen aller fünf Länder über den Grund der Kaspisee keine Gasleitung gebaut werden – dabei sind Russland und der Iran strikt gegen dieses Projekt. Sogar Ägypten wurde unter die Lupe genommen – aber wegen des sog. Arabischen Frühlings herrscht auch in diesem Land ein politisches Chaos. 

Auch der Irak wäre möglich, aber vollwertige Gasförderung hat es dort nicht einmal unter Saddam Hussein gegeben; deshalb kann hier die Rede nicht erst von einem Neu-, sondern nur von einem Erstaufbau des Gaspotenzials sein. Mehr noch: Im Irak ist das politische Risiko immer noch gewaltig. Die immer noch aktive El Kaida versprach hundert Terroranschläge als Antwort auf die Vernichtung ihres Anführers Osama bin Ladens in Pakistan im Mai. 

Die letzte Hoffnung ist Aserbaidschans Gas; aber für Nabucco mangelt es dort wiederum an entwickelten Fundstätten. Die potenziellen sind sehr aufwändig und können außerdem bis 2017 nicht benutzt werden. So lange zu warten ist Europa nicht bereit, deshalb schließen sich immer mehr Länder an South Stream an. 

Die Idee dieser Gasanlage erschien, als Russland und Italien die Möglichkeiten eines gemeinsamen Gaslieferungsprojektes für Europa besprachen. 2007 unterzeichneten der russische Energiekonzern Gazprom und der italienische Erdöl-Gas-Konzern ENI einen Vertrag zur Strategiepartnerschaft und Gründung einer gemeinsamen Firma. 2011 wurden zwei weitere Länder zu Aktionsinhabern von South Stream, nämlich der französische EDF und der deutsche Wintershall. Abfindungsverträge zur Teilnahme am Projekt haben im Moment bereits Bulgarien, Serbien, Ungarn, Slowenien, Kroatien und Österreich unterzeichnet. Schließlich genehmigte die Türkei der Gazprom Meeresgrundforschungen für den Bau der Gasleitung – und das obwohl sie diese Idee ursprünglich nicht akzeptieren wollte. Russland versicherte allen Teilnehmern des Projektes noch einmal: Das Gas wird durch South Stream ab 2015 geleitet wie geplant. 

Der Hauptvorteil von South Stream besteht darin, dass es keine Probleme mit der Ressourcenbasis hat. Durch das Anschließen ans Universalsystem der Gaslieferung bekommt South Stream einen Zugang zu den Gasgiganten des Autonomen Kreises der Jamal-Nenzen – diesen Trumpf kann Nabucco einfach nicht schlagen. 

Gegen Nabucco spricht auch die politische Risikoanalyse des Transits durch die Türkei. Das Scheitern der so genannten multikulturellen Politik scheint vor diesem islamischen Land den Weg in die EU zu sperren. Inzwischen rechnet Ankara gerade damit, das Gastransit gegen die erwünschte EU-Mitgliederschaft umzutauschen. Somit ist die Geschichte mit der propagierten Gasleitung Nabucco durchaus traurig: kein Gas, keine Kredite, keine effektive Marktstrategie – dafür aber jede Menge Transitrisiken. Das alles lässt den Schluss ziehen, dass Nabucco die Konkurrenz mit South Stream bestimmt nicht übersteht.

Den Text und den Ton dieses Beitrags finden Sie hier.

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