Russland als einer der wichtigsten Gaslieferanten auf dem Weltmarkt ist sich bewusst, welche Gefahr für sie von instabilen politischen Regimen in Transitstaaten ausgeht. Deswegen werden einige neue Transitrouten ausgearbeitet, die eine solche Abhängigkeit verringern und Lieferungen ohne Störung in die EU und andere internationale Märkte garantieren sollen.
Die Alte Welt ihrerseits versucht alternative Wege einzuschlagen. Dies betrifft vor allem den Bau der Gaspipeline „Nabucco“. Dabei treten zwei Kernprobleme zu Tage, die es bei jedem Gasgeschäft zu lösen gilt: die Suche nach leicht zugänglichen, zuverlässigen und umfangreichen Erdgasquellen, die notwendig sind, um die Pipelines in einem bestimmten Zeitrahmen bis zur projektierten Kapazität zu füllen. Und zweitens die kolossalen Primärinvestitionen, die notwendig sind, um Projekte dieses Maßstabs anzustoßen. Bis heute haben die Initiatoren von „Nabucco“ diese beiden Hauptprobleme nicht gelöst, was die Attraktivität dieses Vorhabens, welche ohnehin nicht gerade umwerfend ist, noch verschlechtert.
Die Gesellschafter des Projekts erwarteten, dass ein Großteil des Gases aus der Kaspischen Region kommen würde. Doch von den kaspischen Staaten Russland, Aserbaidschan, Kasachstan, Iran, Turkmenistan und Usbekistan hat bis jetzt nur Aserbaidschan Interesse angemeldet. Alle anderen zentralasiatischen Staaten mit riesigen Gasreserven haben schon exklusive, langfristige Verträge mit der russischen „Gazprom“ abgeschlossen, was deren mögliche Beteiligung am europäischen Projekt ausschließt. Russland seinerseits ist aus offensichtlichen Gründen überhaupt nicht an diesem Projekt interessiert. Es bleibt also nur Iran als einziger Lieferant mit enormen Erdgasreserven im Kaspischen Meer für dieses Projekt, doch aus oben angeführten Gründen käme der Bau einer solchen strategischen Gaspipeline nach Europa basierend auf iranischem Gas nach Meinung von Experten einem wirtschaftlichen Selbstmord gleich.
Bevor das erste Problem, also die Suche nach Erdgasquellen für die Lieferung, nicht gelöst ist, kann das zweite Problem, die notwendige Finanzierung durch die beteiligten Staaten und private Investoren, noch nicht gelöst werden. Die Finanzierung wird mit der aktuellen globalen Finanzkrise noch schwieriger zu leisten sein.
Bei sonstigen gleichen Bedingungen wird das „Nabucco-Projekt“ eine unzählige Anzahl an Schwierigkeiten und Herausforderungen überwinden müssen, um Russland auf dem europäischen Gasmarkt Konkurrenz darstellen zu können. Außerdem existieren ohnehin, selbst im äußerst schwer vorzustellenden, hypothetischen Fall einer positiven Auflösung all dieser Probleme, ernsthafte Bedenken unter den Projektteilnehmern. Sie befürchten, dass ihr Baby im besten Fall nicht konkurrenzfähig und im schlechtesten eine „Totgeburt“ werden könnte aufgrund des zuverlässigeren und mit einer größeren Kapazität versehenen Gazprom-Projekts „South Stream“, welches durch die gleichen geografischen Breiten verläuft.
Das russische Projekt wird erstens schon gebaut und hat einen projektierten Durchsatz von 30 Milliarden Kubikmetern Gas im Jahr, welcher, falls nötig, um weitere 15 Milliarden Kubikmeter auf 45 Milliarden Kubikmeter angehoben werden kann. Die Attraktivität von „South Stream“ wird durch die Tatsachen gesteigert, dass „Nabucco“ sich noch im Entwicklungsstadium befindet, dass bis zu 8 Milliarden Euro benötigt werden, die erst noch für die Umsetzung aufgetrieben werden müssen, dass es keine garantierten, langfristigen Erdgasquellen gibt und schließlich, dass, bei einer erfolgreichen Beendigung des Projekts, der projektierte maximale Durchsatz 30 Milliarden Kubikmeter Gas nicht übersteigt. Dies bedeutet, dass die Konkurrenz dem russischen Projekt „South Stream“ schon in der Planungsphase unterlegen ist.

Комментариев нет:
Отправить комментарий