Die Arktis ist eine der aussichtsreichsten Regionen Russlands. Unter prioritären nationalen Projekten ist auch die Erschließung des Stockman-Gaskondensat-Feldes. Dieses liegt im Zentralteil der Schelfzone des russischen Sektors in der Barenzsee, etwa 600 Kilometer nordöstlich von Murmansk. Die Meerestiefe variiert in dieser Gegend von 320 bis 340 Meter.
Nach seinen erkundeten Erdgasvorräten zählt das Stockman-Feld zu den zehn größten Vorkommen der Welt. Es zählt ca. 4 Billionen Kubikmeter blauen Treibstoff und etwas 56 Millionen Tonnen Gaskondensat. Erstes Gas wird dort noch vor Ende 2016 gewonnen.
Nach seinen erkundeten Erdgasvorräten zählt das Stockman-Feld zu den zehn größten Vorkommen der Welt. Es zählt ca. 4 Billionen Kubikmeter blauen Treibstoff und etwas 56 Millionen Tonnen Gaskondensat. Erstes Gas wird dort noch vor Ende 2016 gewonnen.
Das 2008 gegründete russisch-französisch-norwegische Unternehmen „Stockman Development AG“ ist für die erste Phase des Projekts zuständig. Dieses Konsortium wird der Inhaber des Vorkommens 25 Jahre lang nach seiner Inbetriebnahme sein. Der russischen Gazprom gehören 51 Prozent, der französischen Gesellschaft Total 25 und dem norwegischen Statoil 24 Prozent der Aktien. Die drei führenden Firmen der Welt garantieren den Einsatz von neuesten Technologien sowie Sicherheit und effiziente Unternehmensführung.
Der Ausmaß und die Kompliziertheit der durchzuführenden Arbeiten, besondere Klima-Bedingungen und die Notwendigkeit, grundlegend neue Technologie-Lösungen anzuwenden, lassen von der Einmaligkeit des Projektes sprechen. Das Fördergelände liegt weit hinter dem Polarkreis. Angesichts des rauen arktischen Klimas und der schwierigen Sturmsituation ist die Zeit für Bau- und Installationsarbeiten wesentlich eingeschränkt. In der Fördergegend wurden mehrmals Firneis und Eisberge registriert. Was die Entfernung von der Küste anbetrifft, so wirkt sich diese auf Versorgung und Wartung der Ausrüstung und der Infrastruktur am Objekt aus.
Die Förderung am Stockman-Vorkommen wird nach einer einmaligen Technologie geführt unter Einsatz von untergetauchten Förderanlagen und speziellen Förderbühnen. Ein flexibles Pipeline-Netz soll die Förderinsel mit dem eisresistenten Schiff verbinden, welches mit einer Wasserverdrängung von ca. 25.000 Tonnen und einer Länge von 330 Metern eines der Weltgrößten wird. Seine Fläche ist mit drei Fußballfeldern vergleichbar. Auf dem Schiff wird ein Kraftwerk, Kompressoren und andere für die Gasförderung notwendige Ausrüstungen sowie Wohnräume untergebracht.
Der blaue Treibstoff wird vom Hilfsschiff durch eine 550 Kilometer lange untergetauchte Doppelstrang-Fernleitung auf das Festland geliefert, unweit von der Siedlung Teriberka, wo ein Flüssiggas-Betrieb mit einer Jahreskapazität von 7,5 Millionen Tonnen Flüssiggas gebaut werden soll. Zwecks Beförderung des Treibstoffes in das Einheitliche Gasversorgungsnetz Russlands wird der Bau einer Pipeline Murmansk – Wolchow geplant. Dies hat zu bedeuten, dass das Stockman-Gas auch den Nord Stream füllen wird, dessen erster Strang bereits in Betrieb genommen wurde und der zweite zum Neujahr 2012 fertiggestellt wird. Der Nord Stream erlaubt es, das russische Gas nach Deutschland und in andere EU-Länder unter Umgehung der Ukraine zu liefern. Mit Flüssiggas befüllte Tankschiffe werden den Treibstoff an den Verbraucher bringen.
Besonders brisant ist heute die Frage der der Kaderausbildung für das Stockman-Vorkommen. Mit der Letzteren befasst sich die Arktische föderale Universität in Archangelsk. Wichtig ist auch, dass die Arbeitgeber an der Zusammenstellung von Lehrprogrammen teilnehmen, meint die Rektorin der Arktischen Universität Elena Kudrjaschowa:
„Heute arbeiten wir sehr aktiv mit den Organisationen zusammen, die mit der Erschließung de Stockman-Feldes verbunden sind und zwar mit „Gazprom dobytscha schelf“, Stockman Development, Total, Statoil, die Professoren-Vereinigung von „Total“. Seit vielen Jahren werden bei uns Spezialisten zum Einsatz am Arktis-Schelf ausgebildet.“
Und diese Fachleute sind sehr gefragt. Das Stockman-Projekt fasst den kompletten Zyklus der Erschließung ins Auge: von der Forschung bis hin zu Verarbeitung und Transport. Die Förderung ist dort in drei Phasen eingeteilt. Die Inbetriebnahme von Objekten der ersten Phase wird es erlauben, jährlich 23,7 Milliarden Kubikmeter Gas zu gewinnen. Für die dritte Phase ist ein Gesamtvolumen von über 71 Milliarden Kubikmeter Erdgas und 650.000 Tonnen Gaskondensat im Jahr vorgesehen. Dieser Umfang ist mit dem Gesamtverbrauch größter europäischer Länder vergleichbar, zum Beispiel mit diesem Deutschlands.
Es sei angemerkt, dass man das Stockman-Projekt ursprünglich für den Vertrieb am atlantischen Markt realisieren wollte. Doch mit der rasant steigenden Schiefergas-Erzeugung in den USA wurde diese Strategie geändert, was freilich keinen endgültigen Verzicht auf den nordamerikanischen Markt bedeutet. In den Vereinigten Staaten wurde bereits eine Sparte des russischen Energie-Riesen Gazprom Marketing&Trading USA gegründet. Diese Struktur soll die Kooperations-Fragen bis zu dem Zeitpunkt durchgearbeitet haben, wo die ersten Flüssiggas-Lieferungen vom Stockman-Feld beginnen. Es wurden bereits Arbeitskontakte mit rund 100 Gasmarkt-Akteuren der USA aufgestellt.
Mit der zunehmenden Entwicklung des Nördlichen Seeweges wird das Stockman-Gas auch auf die asiatischen Märkte geliefert. Entsprechende Verhandlungen laufen beispielsweise bereits mit Indien. Indische Unternehmen vereinbarten mit Gazprom Flüssiggasankäufe im Laufe von 25 Jahren und in Höhe von insgesamt 7,5 Millionen Tonnen jährlich.
So bekommt Gazprom dank Stockman die Möglichkeit, sein Gas auf allen größten Märkten der Welt zu vertreiben und die Gasströme je nach Konjunktur zu lenken.
Das Stockman-Projekt zeugt davon, dass das russische arktische Gas doch nicht allzu weit von bedeutendsten Energie-Märkten der Welt entfernt liegt, wie es auf den ersten Blick scheinen mag.
Den Text und den Ton dieses Beitrags finden Sie hier.

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