In der Konkurrenz der Gasleitungsprojekte South Stream und Nabucco ist die Schlüsselfrage nach wie vor die Quelle des Gases, mit dem sie gefüllt werden. Bis jetzt gibt es im Projekt Nabucco keine klare Antwort auf diese Frage. Mit den Ressourcen des South Stream, im Gegenteil, ist alles klar genug, weil Russland, sogar nach Schätzungen der westlichen Analytiker, der absolute Leader nach den weltweit bewiesenen Erdgasvorräten ist.
Nabucco bezeichnet man oft als eine "Papiergasleitung", da bis jetzt kein einziges Vertrag mit einem Gaslieferanten geschlossen ist. Es wurde eine breite Palette der Länder in Nordafrika, dem Nahen Ostens und Zentralasien in Betracht genommen, aber die meisten Kandidaten haben sich als ungeeignet erwiesen, sagt Konstantin Simonow, Leiter des Fonds für nationale energetische Sicherheit:
"Wir sehen, was in Nordafrika geschieht, wie Libyen ausgefallen ist, wie Ägypten ausgefallen ist, das als eine der Varianten für Nabucco-Auffüllung betrachtet wurde. Es ist auch nicht bekannt, was mit Algerien passieren wird. Europa hat angefangen, das Gas in der Region zu suchen, wo in Wirklichkeit kolossale politische Risiken existieren und wo es oft kein Gas gibt. Gerade deshalb kann das Projekt Nabucco nicht gestartet werden. Es gibt kein Projekt. Das Projekt fängt dann an, wenn die Investitionslösungen gefunden sind, wenn es Geld gibt. Und es gibt das Geld, wenn die Verträge schon geschlossen sind. Und Nabucco hat soweit kein Gas und kann keine Verträge schließen, d.h. keine Geldeinleger für dieses Projekt finden. Und das bedeutet, dass es keine endgültige Investitionslösung gibt und das Projekt selbst kann nicht zur Phase der praktischen Verwirklichung übergehen."
Als Hauptgaslieferant für Nabucco wurde schließlich Aserbaidschan ausgewählt. Mit ihm werden Dauerverhandlungen geführt. Aber es gibt bis jetzt keinen Gasliefervertrag mit diesem Land. Es gibt auch keine Verträge mit Turkmenien, ganz zu schweigen vom Iran. Außerdem gibt es auf das aserbaidschanische Gas viele andere Bewerber. Darunter auch Russland. Es ist bereit, alle freien Erdgasmengen aus Aserbaidschan zu den für dieses Land vorteilhaften Preisen zu kaufen. Es wird geplant, dieses Gas im Südrussland zu verbrauchen. Theoretisch kann ja das aserbaidschanische Gas nach Europa beispielsweise mit Hilfe des South Stream transportiert werden.
Russland verfügt über phantastische Erdgasvorräte. Zum Beispiel auf der nördlichen Halbinsel Jamal. Die Gasvorräte dieses riesenhaften Behälters werden in 360 Milliarden Kubikmeter pro Jahr bewertet, auf langfristige Perspektive dabei. Die zahlreichen und reichsten Gasfelder existieren in Sibirien und werden schon ausgearbeitet. Insgesamt betragen die nachgewiesenen Gasvorräte in Russland anderthalbmal so viel wie im Iran, über siebenmal so viel wie in Turkmenien und 9- bis 10-mal so viel wie in solchen Ländern wie Nigeria, Algerien und Venezuela.
Natürlich, benötigt man für den Bau des South Stream eine Entwicklung der Gasinfrastruktur auf dem Territorium der Russischen Föderation. Es ist aber eine viel einfachere Aufgabe - die Hauptsache ist, dass es Gas gibt. Man muss es einfach zum Schwarzen Meer liefern.
Der konkrete Plan existiert schon. Die Gesamtlänge des Gasleitungssystems beträgt 2446 Kilometer. Die Rohrleitung wird über acht Regionen der Russischen Föderation verlegt: Gebiet Nischnij Nowgorod, die Mordwinische Republik, Gebiet Pensa, Gebiet Saratow, Gebiet Wolgograd, Gebiet Woronesch, Gebiet Rostow und Region Krasnodar. Es wird der Bau von 10 Kompressorstationen geplant. Die größte Leistung wird die Kompressorstation an der Küste des Schwarzen Meeres haben. Das Projekt wird von September 2010 - bis Dezember 2023 verwirklicht.
Der Meerabschnitt wird auf dem Boden des Schwarzen Meeres von der Kompressorstation "Beregowaja" bis zur Küste Bulgariens – der Stadt Varna verlegt. Für die Landabschnitte werden zwei Routen aus Bulgarien betrachtet – nach Nordwesten und nach Südwesten. Die Länge des Schwarzmeerabschnitts wird ca. 900 Kilometer betragen, die maximale Tiefe - über 2 Kilometer. Die Durchleitungskapazität der Gasleitung South Stream wurde ursprünglich als 30 Milliarden Kubikmeter pro Jahr bewertet, später aber wurde beschlossen, sie bis zu 63 Milliarden zu erhöhen. Durch die Rohrleitung sollen ca. 35 Prozent der Lieferungen vom russischen Erdgas nach Europa exportiert werden, der Gesamtumfang der Investitionen in den South Stream schwankt von 8 bis 24 Milliarden Dollar.
Es sei erwähnt, dass der South Stream für die Ersetzung des Erdgastransits über die Ukraine beabsichtigt ist. Im Januar 2009 hat dieses Land klar gezeigt, dass während es bei Russland vom Gaspreis abdingt, ist es zu allem entschlossen, einschließlich zum Abdrehen des russischen Gastransits nach Europa. Leider will die Ukraine ihre Gasleitungen unter gemeinsame Steuerung mit Russland nicht übergeben. Und ohne das kann man keinen ununterbrochenen Gastransit garantieren. Deshalb bleibt die Ukraine Generator von großen Risiken für die europäischen Verbraucher nach wie vor.
Der South Stream wird den bedeutenden Teil des Gastransits über die Ukraine ersetzen. Dabei bleiben die Ressourcen im Ganzen unverändert. Das Erdgas wird ins russische Transportsystem aus dem Bezirk Jamalo-Nenezki kommen. Im Falle eines Abbruchs der Erdgaserzeugung auf den alten Gasfeldern, wird das Gas aus Zentralasien befördert.
„Der South Stream wird nicht nur eine zusätzliche Erdgasquelle für Europa, - sagte neulich der South-Stream-Chef Marcel Kramer in einem Interview. – Er wird zum Erschaffen von neuen kommerziellen Beziehungen, zum Erhalten vom beiderseitigen Gewinn beitragen. Ich als Vertreter Westeuropas, der viele Jahre in der EU verbracht hat, habe oft gesehen, wie vorteilhaft die Teilnahme an einem oder anderem Projekt für ein separates Land sein kann. Es ist deshalb eine große Ehre für mich, dem South Stream beizutreten.
Nach der Meinung von Marcel Kramer, werden die Europäer den Wert von South Stream ermessen. Das erfordert ja offene und ausführliche Diskussionen, Erklärungen seitens aller Projektpartner, aber er ist überzeugt – der South Stream ist für Europa vorteilhaft.
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