Die Nachfrage erzeugt das Angebot. Dieses Axiom ist ganz und gar auf den Energie-Markt anwendbar. Laut Spezialisten, kommt die Situation, wo das Angebot besonders stark die Nachfrage überbietet, vor allem in den Vereinigten Staaten von Amerika zum Vorschein, was auf die so genannte Schiefer-Revolution zurückzuführen ist.
Im Grunde handelt es sich dabei um die Weiterentwicklung der Technologien zur Erdgasförderung in schwierigeren geologischen Bedingungen, bemerkt der Vorsitzende der Abteilung für Gasmärkte am Institut für Energiewirtschaft und Finanzen Wladimir Rewenkow:
„In Amerika, wo neue Technologien wie Hydraulic Fracturing oder geneigt-waagerechtes Bohren eingesetzt werden, die es erlauben, immer neue Schichten zu erschließen, kam es zu einem Gasüberschuss, wobei der blaue Treibstoff immer billiger wurde, auch im Vergleich zum Erdöl. Während Anfang 2000-er Jahre der Gaspreis 70 bis 65 Prozent des Ölpreises ausmachte, liegt nun dieses Verhältnis bei nur 30 Prozent. Dies ist das Ergebnis eines Überangebots.“
Dabei ist der Selbstkostenpreis des Schiefergases sehr hoch. In Amerika zum Beispiel kosten 1000 Kubikmeter Treibstoff rund 200 Dollar. Dabei muss dieser ja noch an den Verbraucher heran. Ein Kompressor lohnt sich hier wegen niedrigen Gas-Druckes nicht, deswegen ist dessen Einsatzbereich auf höchstens 100 Kilometer beschränkt.
Trotzdem will Europa den USA nicht nachstehen und sucht aktiv nach Schiefergas auf eigenem Gelände. In der letzten Zeit haben Polen und die Ukraine das Vorhaben verkündet, ihren Verbrauch des traditionell aus Russland importierten Erdgases zu kürzen und dieses zunehmend mit eigenem Schiefergas zu ersetzen. Es heißt, es soll in Europa tatsächlich Schiefergas-Vorräte geben. Doch Europa ist nun einmal nicht Amerika. Es hat einfach weder finanzielle oder technische Voraussetzungen, um in die Erschließung und Förderung einer neuen Ressource zu investieren. Man muss hier hinzufügen, dass nach US-amerikanischen Einschätzungen die größte Schiefer-Schatzkammer Europas in Polen liegt. Dort soll gut ein Drittel aller Vorräte des Kontinents lagern: unglaubliche 5 Billionen Kubikmeter. Dabei wirken die Warnungen von manchen Spezialisten sehr ernüchternd: Zum einen ist die Technologie zur Gewinnung von Schiefergas gelinde gesagt nicht einfach, zum anderen wird ein erheblicher Schaden der Umwelt zugefügt. Zum Beispiel muss das Wasser, das man in die Sonde einpumpt, mit speziellen Chemikalien versetzt werden, die wirklich giftig sind. Außerdem kann die Zerstörung der unterirdischen Schiefer-Struktur – ohne die die Erdgasförderung in diesem Fall unmöglich ist – das Aufkommen des hochexplosiven Methans hervorrufen. Zu solchen Vorfällen kam es bereits in den USA, zum Glück geschah es in dünn besiedelten Gebieten. Was aber Europa angeht, so ist dort die Bevölkerungsdichte wesentlich höher, als auf dem Flachland des Wild West. Daher ist auch das Risiko viel größer.
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