понедельник, 28 ноября 2011 г.

Nord Stream: ein neues energetisches Fenster nach Europa. Teil 6

Das Projekt zum Bau des Pipeline-Netzes Nord Stream auf dem Ostseeboden sieht die Inbetriebnahme des ersten Stanges bereits in diesem Herbst vor. Später – bis 2013 – soll auch der zweite Strang gebaut und in Betrieb genommen werden. Ab diesem Zeitpunkt soll das Gesamtvolumen der russischen Erdgaslieferungen durch den Nord Stream nach Europa 55 Milliarden Kubikmeter pro Jahr erreichen. Dabei hört man auch von Plänen, einen weiteren, dritten Strang zu verlegen.

Wie der Vorsitzende der Abteilung für Gasmärkte am Institut für Energiewirtschaft und Finanzen Wladimir Rewenkow meint, wurde einem solchen Gedanken tatsächlich Luft gemacht. 

„Einer unserer Mächtigen hat es schon vorgeschlagen, doch in Deutschland wurde diese Idee abgewiesen. Und das ist auch verständlich, dass Europa, welches gegen das Monopol im Gasgeschäft kämpft – es wird ja dauernd von der Abhängigkeit von russischen Lieferungen gesprochen – möchte nicht, dass ein dritter Strang im Norden verlegt wird. Schließlich braucht Europa auch nicht so viel Erdgas.“ 

Doch es bleibt auch noch der südliche Weg. Und während es um den Nord Stream ziemlich klar bestellt ist, bleibt der South Stream bis jetzt bloß ein Papiertiger, erinnert Wladimir Rewenkow: 

„Ehrlich gesagt würde ich davon abraten, Hals über Kopf in dieses Projekt zu stürzen, denn so wie es im Moment in Europa aussieht, braucht man auf diesem Markt noch nicht so viel Gas. Vielleicht ändert sich das ja auf die Dauer, in 10-20 Jahren, wenn man annimmt, dass weißrussische und ukrainische Pipeline-Netze ausgefallen sind, über die wir unser Gas pumpen. Dann würde es wirtschaftlich gesehen Sinn machen. In politischer Hinsicht würde damit die Frage der Umgehung der Ukraine und Weißrusslands gelöst. Da würde eine Kapazität von etwa 118 Milliarden Kubikmetern gewährleistet, die die heutigen Lieferungen über Weißrussland und die Ukraine in die Europäische Union zu 80 Prozent decken würde“.

Laut Wladimir Rewenkow, begreifen die Europäer es nur zu gut und trotzdem bestehen sie auch weiter darauf, dass die Verlegung einer eigenen Pipeline im Süden notwendig sei: Es geht um das Nabucco-Projekt: 

„Die Sache ist die, dass man schon seit Langem eine Konkurrenz der Pipeline-Netze schaffen will. Mit Nabucco hat man vor, das asiatische Erdgas aus der Kaspischen Region auf die europäischen Märkte unter Umgehung Russlands zu liefern. Und das geschieht Russland zum Trotz. Wenn ich mich recht erinnere, gibt es das Projekt seit 20 Jahren. Deswegen frage ich: Wann und wie wird es realisiert? Dabei gibt es ein für das Projektieren zuständige Unternehmen, es gibt einen Präsidenten und auch einen Vize-Präsidenten sowie eine Menge Personal. Die Firma lebt vom Geld der Anleger, die dieses Projekt bilden: Es sind fünf führende europäische Unternehmen. Ich glaube, es geht hier zu sehr um Politik. Es ist die Angst vor einer Abhängigkeit vom russischen Erdgas, die dieses Projekt und alle Dahinterstehenden ernährt. Deswegen trägt es eher einen politischen Charakter.“
Im Grunde genommen, ist die Situation etwas merkwürdig: Das Projekt schwebt in der Luft, nichts daran ist noch reell, es wurde bereits viel Geld vergeudet, doch es sind noch keine Perspektiven zu sehen. Und obendrauf kommt auch das noch: Die Europäer müssen ja noch irgendwie an das mittelasiatische und kaspische Erdgas kommen, was an sich nicht so leicht ist, meint Wladimir Rewenkow: 

„Erstens braucht man eine sichere Ressourcen-Grundlage, um dieses Projekt ohne russische Vorräte zu beleben. Was die potenziellen Lieferanten angeht, so könnte es Aserbaidschan oder Türkei sein, mit dessen angeblich riesigen Gasbeständen, die noch bestätigt werden müssen. Aber wie man zur Zeit in der Presse liest, erklärten Turkmenen und Chinesen, dass sie ihre Kooperation im Gasgeschäft festigen möchten. Es funktioniert bereits eine Pipeline, die aus Turkmenistan nach China führt, die ca. 3 Milliarden Kubikmeter blauen Treibstoff liefert, dann werden es 10 sein, und schließlich hat man vor, die Kapazität bis 40 Milliarden Kubikmeter zu erhöhen. Wird nun Turkmenien in diesen Bedingungen sein Erdgas auch nach Europa leiten können? Das ist eben auch eine große Frage.“
Während man das offensichtlich politisierte Projekt Nabucco bespricht, sucht Europa aktiv nach Schiefergas auf eigenem Gelände. In der letzten Zeit haben Polen und die Ukraine das Vorhaben verkündet, ihren Verbrauch des traditionell aus Russland importierten Erdgases zu kürzen und dieses zunehmend mit eigenem Schiefergas zu ersetzen. Es heißt, es soll in Europa tatsächlich Schiefergas-Vorräte geben. Doch Europa ist nun einmal nicht Amerika. Es hat einfach weder finanzielle oder technische Voraussetzungen, um in die Erschließung und Förderung einer neuen Ressource zu investieren. Und diese würde Europa sowieso teuer zu stehen kommen, so Wladimir Rewenkow weiter: 

„Es kommt hier alles auf die Wirtschaftlichkeit an: Was wird das kosten? Laut Angaben von ausländischen Autoren und Organisationen gibt es in einzelnen europäischen Ländern – wie sie richtig gesagt haben, in Polen, aber auch in Schweden, tatsächlich sagen wir mal potentielle Vorräte an erwähntem Bodenschatz. Doch wie soll man dessen Gewinnung in die Volkswirtschaft aufnehmen? In Amerika ist es anders: Amerika ist ein anderer Planet. Dort ist die Öl- und Erdgasproduktion entwickelt, dort werden neue Technologien verwertet in den Bereichen, die schon über eigene Infrastruktur von Öl- und Erdgaslieferungen in allen möglichen Richtungen verfügen, da braucht man sich ja nur einmal den Plan der Pipeline-Netze der USA anzuschauen. Nichts dergleichen gibt es in Europa. Außerdem basieren die Technologien der Schiefergas-Förderung auf hohem Wasserverbrauch. Dazu muss man da eine Menge von verschiedenen physikalischen und chemischen Lösungen rein pumpen, um die Gasabfuhr zu erhöhen. Das alles sorgt auch in Amerika schon für zahlreiche Fragen. Muss man wirklich mit einer solchen Produktion aufkommen? Obwohl der Gaspreis in Amerika momentan von einem Überangebot von solchem Gas zeugt. Bis jetzt haben die Amerikaner auch ganz rosige Aussichten, denn die Preise bleiben niedrig.“

Trotz alledem rechnet zum Beispiel die ukrainische Regierung darauf, den Verbrauch des russischen Erdgases bis 2020 durch Erschließung von eigenen Bodenschätzen abzubauen. Wladimir Rewenkow zeigt sich ziemlich skeptisch über dieses Vorhaben: 

„Nun, lassen wir sie nur tun, was sie wollen. Mögen sie auch eigene Gewinnung voranbringen. Wir können somit unser Gas sparen. Müssen wir es denn an die Ukraine für ein Butterbrot verkaufen? Schließlich sollte man sich man daran denken, auch kommende Generationen zu versorgen, wie es zur Zeit schon Katar macht. Man hat dort ein Moratorium für die weitere Erschließung des nördlichen Vorkommens eingeführt und denkt nicht daran, die Flüssiggas-Lieferungen auf die Weltmärkte aufzustocken. Weil man sieht, dass die gegenwärtige Situation nicht sehr passend für einen rücksichtslosen Ausbau von diesen Kapazitäten zu sein scheint. Wie gesagt, es ist eine Frage der Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit. Sollten die Ukrainer es für zweckmäßig halten, eigene Gasförderung zu entwickeln – nur zu! Schließlich waren sie in dieser Hinsicht seinerzeit gar nicht so schlecht dran.“

Hier sei hinzugefügt, dass nach US-amerikanischen Einschätzungen die größte Schiefer-Schatzkammer Europas in Polen liegt. Dort soll gut ein Drittel aller Vorräte des Kontinents lagern: unglaubliche 5 Billionen Kubikmeter. Dabei wirken die Warnungen von manchen Spezialisten sehr ernüchternd: Zum einen ist die Technologie zur Gewinnung von Schiefergas gelinde gesagt nicht einfach, zum anderen wird ein erheblicher Schaden der Umwelt zugefügt. Zum Beispiel muss das Wasser, das man in die Sonde einpumpt, mit speziellen Chemikalien versetzt werden, die wirklich giftig sind. Außerdem kann die Zerstörung der unterirdischen Schiefer-Struktur – ohne die die Erdgasförderung in diesem Fall unmöglich ist – das Aufkommen des hochexplosiven Methans hervorrufen. 

Schließlich ist der Selbstkostenpreis des Schiefergases sehr hoch. In Amerika zum Beispiel kosten 1000 Kubikmeter solchen Treibstoff 200 Dollar. Dabei muss dieser ja noch an den Verbraucher heran. Ein Kompressor lohnt sich hier wegen niedrigen Gas-Druckes nicht, deswegen ist dessen Einsatzbereich auf höchstens 100 Kilometer beschränkt. Mit anderen Worten, wird Europa auch bei erfolgreicher Erkundungsforschung in Polen ohne russisches Erdgas nicht auskommen können. 

Den Text und den Ton dieses Beitrags finden Sie hier.

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