понедельник, 28 ноября 2011 г.

Nord Stream: ein neues energetisches Fenster nach Europa. Teil 3

Die Russen sind es gewohnt, dass ihr Land einer der wichtigsten Akteure auf dem Gasmarkt Europas ist. Dabei ist es bei weitem nicht der Einzige. Woher kommt sonst noch Gas in die Alte Welt? Wie groß sind ihre eigenen Vorräte? Gibt es Alternativen zu Erdgas?

Auf diese und andere Fragen der Stimme Russlands gab uns freundlich der Vorsitzende der Abteilung für Gasmärkte am Institut für Energiewirtschaft und Finanzen Wladimir Rewenkow die Antwort: 

„Ich möchte zuerst die wichtigsten äußeren Akteure am europäischen Markt nennen. Es sind folgende Länder: Algerien, welches Erdgas sowohl über Pipeline, als auch in flüssigem Zustand nach Europa liefert. Es ist ein Land ist reich an Bodenschätzen. Es folgt Norwegen mit seinen Nordmeer-Vorkommen. Die Förderung wird dort mit hohem Tempo entwickelt und erreicht jährliche ca. 100 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Dabei verbraucht Norwegen selbst erstaunlicherweise sehr wenig davon. Daher exportiert es ca. 90 Milliarden Kubikmeter blauen Treibstoff nach Europa. Dann gibt es Russland. Russische Erdgaslieferungen decken ein Viertel des europäischen Energiebedarfs. Dieser Prozentsatz kann sich ändern, je nach Erscheinungen, die wir besprochen haben.

Und es gibt natürlich Katar. Katar ist ein neuer Akteur, der nicht so lange auf den Weltmarkt präsent ist, dabei wurde es zu einem großen Flüssiggas-Lieferant. Ausgerechnet dieses Land beeinflusst die allgemeine Preissituation und die Spot-Gasmärkte auf den Börsenplätzen, sowie den Börsenhandel in Europa insgesamt.

Katar hat aber auch Lieferverträge, zum Beispiel mit Großbritannien und beteuert, dass es bereit sei, zu jedem aktuellen Preis an diesem Spotmarkt zu liefern. aber ich will Ihnen was sagen: Die Preise am britischen Markt liegen momentan bei ca. 350 US-Dollar je Milliarden Kubikmeter Erdgas. Dies ist weniger, als bei langfristigen Verträgen, aber wenn Katar dorthin kleiner Mengen Erdgas liefert, ruft es den allgemeinen Preisrückgang am britischen Markt hervor.“

Es ist klar, dass es auf dem Gasmarkt wie auch auf allen Märkten zu Überangeboten kommen kann, die auch von Katar verursacht werden können. Dessen Produktionskapazität beträgt über 100 Milliarden Kubikmeter Erdgas im Jahr und sind vor allem auf Exportlieferungen orientiert. Dabei wäre es falsch zu denken, dass Katar bei seinem heißen Klima kein Erdgas braucht: Dort ist auch Energie erforderlich, um zahlreiche Klimaanlagen, Kühlschränke und Entsalzungsanlage zu speisen. Trotzdem dumpt Katar die Preise auf dem europäischen Gasmarkt: 

„Als diese großangelegten Projekte zur Gasverflüssigung in Katar geschaffen wurden, sah die ganze Situation anders aus. Es sind ja langfristige Investitionsprojekte, aber als sie fertig waren, hatte sich die Situation auf dem Weltmarkt und vor allem in den USA geändert, was ihren Bedarf an externen Erdgaslieferungen dramatisch verminderte. Wohin sollte man also damit?..“

In diesem Zusammenhang stellt sich zwangsläufig die Frage über die sogenannte Erdgas-OPEC, der unter anderem Russland und Katar angehören. Laut Wladimir Rewenkow wäre es seitens der gasexportierenden Länder durchaus logisch, ihre Lieferstrategien abzustimmen. Doch es ist nicht so einfach: 

„Sehen Sie, das Forum gasexportierender Länder ist eine politisch-wirtschaftliche Organisation, die erst in der Bildung begriffen ist und die bis jetzt noch nicht laut ihre Möglichkeiten verkündete. Perspektiven gibt es da schon. Aber die Organisation wurde von Anfang an nicht nach dem Ebenbild der OPEC gedacht, wo harte Disziplin herrscht und die Liefermengen quotiert sind. Die OPEC kann daher die Preissituation auf dem Weltölmarkt beeinflussen und stabil halten. Das Forum gasexportierender Länder aber hat solche Eigenschaften bis jetzt nicht.“

Kommt man auf die Probleme des europäischen Erdgasmarktes zurück, so geht es hier nach zahlreichen Experten-Meinungen vor allem darum, die künftige Gashaltigkeit der Nordmeer-Vorkommen einzuschätzen. Wladimir Rewenkow meint, man solle an diese Frage ruhig herangehen: 

 „Es gibt eine ganze Menge von Prognosen, zum Beispiel, die der Internationalen Energieagentur, die alle anbeten und jegliche seine Prognosen für wahr halten. Nach diesen Prognosen würde die eigene europäische Erdgasförderung bis 2030 nur 50 Prozent der heutigen Menge betragen – ca. 75 Milliarden Kubikmeter. Wie wird sich die Nachfrage entwickeln? Historisch stieg die europäische Nachfrage vor der Weltfinanzkriese von 2008-2009 sehr schnell an, etwas um 3 Prozent jährlich. Und nach der Krise meinten alle auf einmal, dass sich zwar alles wiederherstellen würde, doch ein solches Wachstumstempo wie früher würde es nicht mehr geben. Deswegen basieren Prognosen verschiedener Unternehmen, darunter die von Exxon Mobil, der IEA selbst und anderer Firmen, auf niedrigem Wachstumstempo von unter 1 Prozent. Wie soll man es aber auf die Dauer interpretieren, wenn die IEA meint, dass die Nachfrage in Europa bis 2030 entweder um 200 Milliarden Kubikmeter Erdgas anwachsen oder aber um dieselben 200 Milliarden zurückgehen. Es gibt da auch eine Prognose, die dazwischen liegt: Die Nachfrage werde dieselbe bleiben. Wem soll man da glauben? Was die Erschöpfbarkeit der Vorräte angeht… Norwegen zum Beispiel, welches neben Russland einer der größten Gaslieferanten ist, plant seine Förderung bis 2030 aufzustocken. Seine Ressourcen erlauben es, 120-130 Milliarden Kubikmeter Erdgas jährlich abzubauen. Das heißt, sollte seine eigene Nachfrage die gleiche bleiben, gewährleistet das Land die Lieferstablität in Höhe von mindestens 100 Milliarden Kubikmeter in diese Region. Deswegen hängt hier vieles von der Risiko-Einschätzung seitens der Lieferanten ab, die auch weiter bereit sind, trotz allem in diese Region Gas zu liefern.“

Die russische Gazprom will sich – wenn auch nicht trotz allem – auf diesem Markt in einer mittel-/langfristigen Perspektive behaupten. Doch bereits seit einigen Jahren dauern – auch im Rahmen der russisch-europäischen Verhandlungen - Streite bezüglich der Gazprom-Präsenz auf dem europäischen Markt der Gasverteilung an, erinnert Wladimir Rewenkow: 

„Es ist der sogenannte Endverbraucher-Markt, der Verkaufsmarkt also. Tatsächlich zeigt der Einzelhandel-Sektor eine höhere Effizienz, denn die Preise sind dort höher, was auf verschiedene Zuschläge, Verteilerkosten und auf die unterschiedlich hohe Zahlungsfähigkeit des Endverbrauchers im Haushaltssektor zurückzuführen ist. Die Preie sind da wirklich ziemlich hoch. Aber Gazprom kann gleich anderen Unternehmen Jointventures gründen und Aktiva-Anteile der Retail-Firmen kaufen, d.h. im Prinzip hat der Konzern schon das Recht, daran teilzunehmen. Eine andere Sache ist es, dass man in Europa Gazprom wie der Teufel das Weihwasser fürchtet, deswegen schafft man jegliche Hürden auf dem Wege Gazproms und somit des russischen Erdgases in den Verteiler-Sektor. Ihre fixe Idee besteht darin, dass Gazprom tatsächlich ein Monster ist, der seine Preise aufstellt. Aber das ist ja eben die falsche Vorstellung. Die Preise werden vom Markt diktiert. Das geschieht je nach Nachfrage und Angebot, wobei da bestimmte Preisbildungsgesetze im Spiel sind. Deswegen sollte hier alles auf gleichberechtigter Grundlage geschehen. Dabei vereinigen sich die europäischen Politiker, um die Gaslieferanten nicht an die Endverbraucher-Märkte heranzulassen. So ist nun einmal die politische Logik in diesen Ländern!“

Selbst die europäische Innenpolitik auf dem Erdgasmarkt sieht gewisse Arbeitsteilung vor: Die Gas-Giganten können sich nicht gleichzeitig mit Erkundung, Förderung, Lieferung und Verteilung des blauen Treibstoffes beschäftigen. Man muss diese Sphären eben trennen, damit keiner Monopol-Vorteile genießen kann. Im Grunde geht es hierbei um finanzielle und rechtliche Zersplitterung großer Energie-Vereinigungen, und das ist ein weiteres Problem des europäischen Marktes. Doch bewältigen lässt sich dieses schon, daher versucht Gazprom diesen Weg zu gehen, indem sie neue Vertriebsgesellschaften in Europa zu gründet. 

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