North Stream wird bald mit Erdgas befüllt. Bereits Ende Oktober beginnen über die Röhre des ersten Pipeline-Stranges direkte Gaslieferungen aus Russland an die europäischen Endverbraucher. Wie der russische Premier Wladimir Putin unterstreicht, ist das ca. 7,5 Milliarden Dollar Projekt „fast fertig“. Der russische Staatschef nannte South Stream ein „energetisches Fenster nach Europa“. Die Inbetriebnahme der Pipeline bereitet ein Ende der Transitländer-Diktatur, so der Ministerpräsident. Diese Bezeichnung gehe besonders die Ukraine und Polen an.
Die neue Pipeline mit einer Gesamtlänge von rund 1500 Kilometern wurde auf dem Ostseeboden von der russischen Stadt Wyborg bis zur deutschen Stadt Greifswald verlegt. Nach den Einschätzungen des Nord Stream-Konsortiums wird diese Rohrleitung ein Viertel des gesamten europäischen Gasbedarfs decken können.
Die Durchlasskapazität des ersten Stranges beträgt 25,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr. Der zweite Strang wird 2012 eröffnet. Dies wird erlauben, die jährlichen Liefermengen bis auf 55 Milliarden erhöhen. Beteiligt am Projekt sind solche westlichen Energieriesen, wie die deutschen Eon und BASF sowie die französische Gaz de France. Es wurden bereits langfristige Verträge mit Abnehmern in Deutschland, Dänemark, den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Großbritannien unterzeichnet.
Als Ressourcen-Quelle für die Pipeline ist das Juschnorusskoje-Gasvorkommen auf der Halbinsel Jamal im Westsibirien vorgesehen, später soll auch das große Stockman-Feld in der Barenzsee an das Netz angeschlossen werden, erinnert der Vorsitzende der Abteilung für Gasmärkte am Institut für Energiewirtschaft und Finanzen Wladimir Rewenkow:
„Eine ganze Reihe unserer Gasvorkommen werden dafür genutzt, dieses Pipeline-Netz zu füllen. Es erfordert ja ganze Ströme von Gas und das auf Dauer! Für gewöhnlich handelt es sich in solchen Fällen um langfristige Verträge, über 20 Jahre Laufzeit, und das System kann nicht in Betrieb genommen werden, ehe es mit langfristigen Verträgen versorgt ist. Der zweite Strang von der gleichen Kapazität wird demnach auch zu dem Termin gebaut, der von der Betreiber-Firma festgelegt wurde. Die Preissituation ist nicht eindeutig, sie entwickelt sich nicht auf einer Geraden. Deswegen müssen die Risiken eingeschätzt und ermittelt werden, was sowohl die Liefermengen, als auch die Preise betrifft.“
Laut Wladimir Rewenkow besteht das größte Risiko darin, dass es Versuche geben kann, Russland zu zwingen, Preiskonzessionen einzugehen, ohne sich an das gewohnte Schema der ölabhängigen Preisbildung zu halten. Für Moskau ist es natürlich unvorteilhaft, Energieressourcen billig zu verkaufen und auf diese Weise seine natürliche Monopolrente mit den Importeuren zu teilen. Dabei ist es klar, dass North Stream Russland erlauben wird, die Lieferrisiken auszugleichen und die Transitabhängigkeit von der Ukraine zu halbieren.
Комментариев нет:
Отправить комментарий