Heute sprechen wir mit unserem Gast, dem Leiter des Fonds für Nationale Energiesicherheit Konstantin Simonow, über das Schicksal der Pipelines „Nabucco“ und „South Stream“, die Perspektiven der Ausarbeitundg der Kohlenwasserstoffvorkommen in der Arktis und über die Transkaspische Gasleitung. Konstantin Wassiljevitch, wie sehen die ökologischen Risiken vom Standpunkt der Förderarbeiten in der Arktis aus?
Simonow: "Jedes Projekt das mit Förderung von Kohlewasserstoffen verbunden ist, besonders in einer solchen leicht zu gefährdenden Region wie die Arktis, birgt viele Risiken in sich. Darüber weiss man bescheid. Die Frage ist nur, ob diese ökologische Gruselgeschichte das Recht hat die teschnologische Entwicklung und die Ausarbeitung der artischen Fundstätten zu beeinflussen. Deswegen sind die arktischen Projekte nicht mehr Zukunftsdenken, sondern Wirklichkeit. Ich möchte daran erinnen, dass Russland dieses Jahr die Ausarbeitung von 59 Fundstätten angeht. Kanada und die USA fördern Kohlenwasserstoffe in der Arktis schon seit langem. Norwegen stellt Flüssiggas im Rahmen des artischen Projektes „Snowwhite“ her. Wir sehen jetz in Richtung des Stockmann-Projekts, das wiederum auch in der Arktis durchgeführt werden wird. Letztendlich gibt es ja noch das Abkommen von Rosneft und Ekson, aber dort wird erst 2015 die Erkundungsbohrung durchgeführt werden. Dennoch haben wir Pläne zur Ausarbeitung der Vorkommen in der Karasee. Warum das alles? Weil es in der Welt zwar genug Öl und Gas gibt, doch gehen uns in Wirklichkeit die leichtzugänglichen Kohlenwasserstoffe aus. Deswegen hat die Menschheit nichts anderes übrig als Förderungen in schwer zugänglichen geologischen Zonen zu betreiben. Und nicht nur in der Arktis. Nehmen wir als Beispiel den Tiefseeschelf in Brasilien, oder die Bitumsandregion in der Provinz Alberta in Kanada, oder Ostsibirien- das sind alles Projekte mit einem hohen Schwierigkeitsgrad. Aber die Menschheit ist gezwungen dies zu tun. Die Zahl der Bewohner unseres Planeten nimmt zu, wir möchten komfortabel leben, wir brauchen Kohlenwasserstoffe. Das ist ja ein bekanntes Dilemma – Ökologie oder Energie. Meines Erachtens nach ist die Erschließung der Vorkommen jetzt im 21 Jhd. nicht mehr gratis. Entweder vernichten wir die Umwelt, oder wir bleiben ohne Bodenschätze. Eigentlich kann man schon heute Bodenschätze in der Arktis fördern, dabei können weiterhin hohe Umweltstandarts beibehalten werden. Ja, in der Geschichte der Erdölindustrie gab es auch schwere Havarien. Es ist interessant, das diese weit weg von Russland geschehen sind. Man soll sich bloß an die Havarie der Ölplattform von BP im Golf von Mexico erinnern.
Doch ich sage es noch einmal - die russische Seite machte eine Reihe ernster Vorschläge. Präsident Medvedev hatte zum Beispiel die Idee zur Bildung einer Globalen Organisation zur Absicherung gegen ökologische Risiken. Nehmen wir die Karasee, wo erst in 4 Jahren die Erkundungsbohrung stattfinden wird. Bis dahin kann doch ganz leicht ein Forscherteam gebildet werden, das bestimmen soll welche ökologischen Risiken es bei der Förderung in der Arktis geben kann und wie die Erschliessung durchlaufen wird. Oft wird die Ökologie zum Knüppel, mit dem wir auf unsere Projekte einschlagen, die Erschliessung der Arktis kann dadurch aber nicht gestoppt werden. Mehr noch, Russland übernimmt diese ökologischen Verbindlichkeiten. Wir führen Programme zur Säuberung der Arktis vom Müll, der noch seit Sowjetzeiten dort rumliegt, durch. Es gibt Vorschläge zur gemeinsamen Versicherung der Ökorisiken. Erlich gesagt gibt es schon eine Lösung , die zur Minimisierung der Risiken in der Arktis beitragen soll. Aber bei uns ist es so: Sobald es einen Vorschlag zur Ausarbeitung eines Schelf gibt, tauchen sofort Umweltforscher auf und prügeln auf diese Projekte ein. Sogar die Tiere, die bedroht sein sollen, sind immer die gleichen. Waale. Ständig sind Waale bedroht. Obgleich es in der Förderungzone oft gar keine gibt! Die Geschichte mit den sachhaliner Waalen ist maßgebend. Alle haben von diesen Meeresbewohnern gehört, aber in Wirklichkeit leben die meisten Waale weit von den Projektzonen entfernt. Damit will ich auf keinen Fall vorschlagen die Ökologie hinter uns zu lassen. Keines Wegs will ich sagen: „Ach Leute, lasst die Umwelt der Arktis sausen, die Menschheit braucht Öl und Gas.“ Mann soll bloß nicht ins andere Extrem verfallen, wenn gesagt wird, dass wir alle Fische, Seelöwen und Waale umbringen werden, da die Artis ja ein leicht verletzbares Ökosystem ist. Das mit dem Ösosystem ist wahr. Das heißt aber nicht, dass es heutzutage unmöglich ist Kohlenwasserstoffe zu fördern, ohne auf hohe technologische Standarts zu achten. Dies ist eine realistische und realisierbare Aufgabe, die gelöst wird und gelöst werden muss."
Gasparjan: "Herr Simonow, wie sehen denn insgesamt die Perspektiven der Nutzung des Nördlichen Seeweges aus?"
Simonow: "Der Nördliche Seeweg ist ein interessantes Thema. Sie fragen sich warum? Weil es einerseits eine unangenehme Geschichte ist. Sie ist mit der globalen Erderwärmung verbunden. Die Wirkung dieses Phänomens ist zwar nicht gänzlich erforscht, doch es ist bekannt, das die Eisschicht schmilzt. Dies gibt Anlass zur Ausarbeitung neuer Transportwege, den Nördlichen Seeweg miteingeschlossen. Doch liegen die Vorteile des Nördlichen Seeweges auf der Hand. Warum? Weil wir auf diesem Seeweg die Lieferzeit von Waren um ein vielfaches verringern können. Zum Beispiel aus Europa nach China, oder umgekehrt. Wir können vergleichen. Der Unterschied an Seemeilen, die ein Schiff zurücklegt, wenn es einen Gütertransport von Murmansk nach Japan durchführt beträgt durch Nutzung des nördlichen Seeweges, verglichen mit anderen Routen schier 7000 SM. Und eine vergleichbare Ökonomie gibt es auf allen Richtungen. Also ist die Route aus Europa nach Asien ziemlich rentabel. Doch nun sprechen wir vom Nördlichen Seeweg im Bezug auf die Erschließung der Arktis. Da in der Arktis mehrere Projekte zur Förderung von Kohlenwasserstoffen ausgearbeitet werden, ist es logisch die Produkte, also Öl wie Gas in Tankern auf den Asiatischen Markt zu bringen. Auch weil man dort Abkehrung vom friedlichen Atom erklärt hatte und da ein Wirtschaftswachstum erforderlich ist. Die Notwendigkeit an Kohlenwasserstoffen ist gewachsen. So sehen wir, dass es eine fast doppelte Einsparung an Seemeilen gibt. Also ist klar, dass die Nutzung des Nördlichen Seeweges eine interessante Idee ist. Natürlich bestreitet Niemand, dass es Schwierigkeiten gibt, das Hauptproblem ist das Eis. Obgleich die Wirkung der globalen Erderwärmung besteht, ist es unklar ob man den Durchzug ohne Eisbrecher das ganze Jahr aufrechterhalten werden kann. Denn Eisbreicher sind kostspielig. Dennoch hat Russland ambitiöse Projekte zur Entwicklung der atomaten Eisbrecherflotte. Bemerkenswert ist auch, dass Russland den führenden Platz in der Welt der Eisbrecherzahl nach ennimmt. Aber nicht nur atomare Schiffe sollen gebaut werden, auch welche mit Dieselmotor. Nicht alles muss mit solch gewaltigen Mitteln wie atomare Eisbrecher bewältigt werden. Doch ein solches Programm besteht. Bis 2020 sollen nicht weniger als 3 atomare Eisbrecher der neuen Generation gebaut werden. Auserdem noch einige dieselgetriebene. Der Prozess der Erneuerung wird dadurch in Gang gesetzt. Wir setzen ja jetzt 6 atomare Schiffe ein. China hat z.B. nur einen solchen Eisbrecher. Aber der wurde wiederum bei der Ukraine abgekauft, faktisch nach dem Zerfall der Sowietunion und er befindet sich in katastrophalem Zustand. Die russische Dominanz in der Arktis ist nicht zu bestreiten. Man wird sie noch vergrößern, der Nördliche Seeweg ist fast wieder reanimiert worden. Die Hauptfrage ist die Einschätzung der Transitkosten. Dabei sollte man auch die Eisdicke der Arktis im Sinn haben, aber ich denke, dass diese Route immer mehr rentabel sein wird. Ja, dieser fast doppelte Unterschied den Seemeilen nach, macht diesen Weg, wie schon gesagt, ziemlich interessant."
Gasparjan: "Herr Simonow, könnten Sie kurz die technischen Neuheiten und Technologien beschreiben, die zur Ausarbeitung von Kohlenwasserstoffvorkommen benutzt werden?"
Simonow: "Bitte verstehen sie, dass es sehr schwer ist alles kurz zu beschreiben. Man denkt immer noch, dass die Erdöl-Erdgas-Industrie ein altertümlicher Wirtschaftszweig ist: Mann hat nur mit der Schauffel zu graben und schon sprudelt das Öl. Leider ist das bei Weitem nicht so. Heutzutage ist die Erdöl-Erdgas-Industrie ein sehr ambitiöser und seriöser Wirtschaftszweig, der sich der atemberaubendsten Technologien bedient. Ich spreche oft davon, dass die Erschließung der Arktis vom technischen Standpunkt aus gesehen, mit der Erschließung des Weltraums zu vergleichen ist. Und das ist bei weitem nicht übertrieben. Nehmen wir als beispiel die Prospektierung. Man muss Erkundungsarbeiten auf dem Meeresgrund bei schweren Wetterbedingungen durchführen. Sie verstehen doch, dass die Temperaturen -30 bis -40 oder sogar mehr Grad betragen. Dabei werden Geräte benutzt, die Monderkundungsmodulen ähneln. Die Erforschung des Mars und anderer Planeten wird mit Hilfe genau von solchen Modulen betätigt werden. Die erste Hürde ist also die Prospektierung. Die nächste wäre dann, dass heutzutage zwei Konzepte konkurieren - das eine sieht Förderung mit Hilfe von Plattformen vor, das andere – mit Unterwassermitteln. Beide Technologien sind sehr interessant und sind mit atemberauben schweren Technologischen Lösungen verbunden. Aber unser Projekt „Razlomnaja“ wird mit Hilfe einer Platform realisiert, die schon gabaut ist. Diese eisfeste Plattform wird entsprechend, schon in Betrieb gesetzt werden. Die Plattform selbst ist monströs. Nur der Höhe nach sind es mehr als 120 Meter. Die Wellen in dieser Region können 12-13 Meter betragen und diese Plattform wird ihnen standhalten. Technologisch gesehen ist das also ein sehr schwieriges Projekt. Und sehen wir uns das Stockmann-Projekt an. Gas wird in der See gefördert, dann muss dieses Gas ans Ufer transportiert werden und erst dann muss es in eine Pipeline gepumpt, oder es muss ein Verflüssigungswerk gebaut werden. Dies ist auch eine schwere Aufgabe. Oder nehmen wir eine andere Variante, wie in Norwegen, wo keine Plattforms benutzt werden. Dafür wurde dort ein höchst kompliziertes Netz von Gasleitungen gebaut, die die Förderungsstätten mit dem Ufer verbinden. Dies fordert doch auch unvorstellbar schwere Kontrollsysteme. Stellen sie sich bloß vor, man hat ein kollosales Unterwasserförder –und-transportsystem. Und dieser Prozess muss kontrolliert und gelenkt werden. Man darf auch nicht vergessen, das dieses System sich in den Tiefen der Meere der Arktis befindet, Wetterbedingungen miteingeschlossen. Schwer wird es in allen Bereichen – Förderung, Transport, Prospektierung und letztendlich die Lieferung an den Kunden. Es war auch eine kolossale Aufgabe für die Mettalurgie. Eine neue Stahlart musste hergestellt werden: ISK-8, die den arktischen Bedingungen standhält. Jetzt wird die Frage durchgearbeitet, wie man das Flüssiggas vom Projekt “Jamal-SPG” in Bezug auf Vereisung der Seewege transportieren kann. Dies ist doch auch eine unvorstellbare Hürde. Noch Niemand hat bis jetzt Flüssiggas in solchen Klimabedingungen transportiert. Aber es ist unbedingt notwendig dies zu tun. Wir sehen, dass wir in allen Bereichen der Erschließung auf Schwierigkeiten stoßen. Doch man löst sie, man tut es eben. Und ich habe nur wenige Beispiele von den bahnbrechenden Technologien angeführt, die schon jetzt im Prozess der Arktiserschliessung benutzt werden. Das Ziel ist aber weiterhin gewaltig. Deswegen kann dieser Prozess als Beispiel dienen, dass der moderne Erdgas-Erdöl-Komplex nichts altertümliches beinhaltet, dass es kein primitiver Schauffelprozess ist. Dies ist eine höchst komplizierte Branche die auch als Magnet für andere Wirtschaftsbranchen dienen kann – Maschienenbau, Metallurgie und Schiffsbau. So steht vor den verschiedensten Branchen eine Vielfalt von Aufgaben, die absolut innovativ und bahnbrechend sind."
Den Text und den Ton dieses Beitrags finden Sie hier.
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