Im Hintergrund der geopolitischen Kämpfe in Afrika, Asien und im Nahen Osten blieb die neue Spirale des Wettlaufs um die Arktis unbeachtet. Man ist schon daran gewöhnt, dass alle Ränke um den Arktischen Rat geschmiedet werden. Dieses Verwaltungsorgan wurde 1996 geschaffen, um territorielle Streite unter den subarktischen Staaten zu regeln.
Dazu gehören Russland, Kanada, Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden, die USA und Island. Mit dieser Herangehensweise sind aber viele Staaten, die auch etwas von der Arktis abkriegen wollen, unzufrieden. Im Nachgang zu Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Spanien und Polen wollen auch Indien, Japan, Südkorea, Australien, Brasilien und China Mitglieder des Rates werden unter der Devise „Die Arktis gehört allen!“. Im Unterschied zu den Anderen, begannen die Chinese ihre Pläne in die Tat umzusetzen. Sie veranstalteten gleich mehrere Polarexpeditionen, nahmen eine Polarstation auf dem Spitzbergen in Betrieb und ließen sich einen Eisbrecher bauen. Die Arktis hat man nicht einmal für ein neues Klondike erklärt, wo jeder freien Zugriff zu den Ressourcen bekommt. Aber die Frage des freien Zugangs ist schon zur Diskussion gestellt. Das steigert die Bedeutung des Machtfaktors. Im Mai dieses Jahres wurden in den Massenmedien die Stichpunkte der dänischen „Strategie in der Arktis“ veröffentlicht. Laut diesem Dokument beansprucht Dänemark das Territorium des Festlandsockels in den fünf Zonen um die Färöer und Grönland, sowie den Nordpol, den es als Teil des Festlandsockels von Grönland betrachtet. Es ist geplant ein entsprechendes Dokument bis 2014 bei der Kommission zur Begrenzung des Festlandsockels einzureichen.
Diese Nachricht hat Kanada, das schon in den 50-er Jahren des 20. Jahrhunderts seine Souveränität über dem Nordpol verkündete, äußerst aufgeregt. Laut der Entscheidung des Internationalen Gerichtshofs, kann dieser Anspruch genehmigt werden, wenn innerhalb von ein hundert Jahren kein anderer Staat beweist, dass der Meeresboden des Nordpolarmeeres ihm gehört. Mehr als die Hälfte dieses Zeitabschnitts hat Kanada schon hinter Sich, so begann dieses immer friedlich auftretendes Land, das nie an einem Krieg beteiligt war, zu alarmieren. Vor fünf Jahren, als es klar wurde, dass die globale Klimaerwärmung die Navigation durch die Nordostpassage aus dem Baffinsee in die Lincolnsee ermöglicht, richtete die kanadische Regierung sechs Überwachungsschiffe in die Region. Diese Demarche hat Ottawa anfangs an Washington gerichtet. Aber nachdem Dänemark seine Militärische Präsenz in der Arktis aufgebaut hat, das seit einem halben Jahrhundert mit Kanada um die Hans Insel (die Tartupaluk Insel) wetteiferte, schleuderten die kanadischen Amtspersonen Blitz und Donner gegen seinen Rivalen. Während Dänemark Dokumente zur Begründung ihrer Ansprüche vorbereitete, stellte Kanada Finanzmittel zum Bau eines Tiefwasserhafens und eines Marinestützpunktes in dem verlassenen Ort Nanisivik bereit. Weiter begann die Rekonstruktion und der Ausbau des Marinelehrstützpunktes Resolut sowie der Bau von arktischen Überwachungsschiffen. Kanada hat seine militärische Präsenz in der Arktis verzehnfacht. Jeden Sommer wurden Kriegsmanöver durchgeführt. Wer weiß womit das enden würde, aber dann mischte sich Großbritannien ein, indem es vorschlug, dass die Arktis unter Kanada und Russland geteilt wird. Im Ergebnis hat Kanada praktisch den Status eines Vertreters der NATO-Interessen und gleichzeitig des Hauptgegners von Russland bekommen. Im Rahmen dieser Strategie begannen die USA und Dänemark an den kanadischen Militärübungen in der Arktis teilzunehmen, die von Jahr zu Jahr immer umfassender wurden. In diesem Sommer werden an den Kriegsübungen auch die Luftkräfte aktiv teilnehmen, nämlich Kampfjets, Beobachtungs- und Transportflugzeuge. Gleichzeitig wurde Russland zum Hauptthema der Rhetorik für kanadische Politiker. Sie ließen die politische Korrektheit beiseite, indem sie Russland empfahlen „seine Nase aus dem Norden zu lassen“. Russland seinerseits verstärkte die militärische Kontrolle über sein Außenwasser, zumal die englischen Jachtschiffe und chinesischen Schunen regelmäßig im Außenwasser auftauchen, das zur Nordostpassage gehört. Im Nachgang zur Flugtechnik und den Küstenschutzfahrzeugen, die die Nordostpassage überwachen, wurde die Schaffung einer motorisierten Schützenbrigade beschlossen, die sich den arktischen Verhältnissen anpasst. Ende der vorigen Woche wurde bekanntgegeben, dass diese Brigaden schon aufgestellt sind. Diese Woche hat der Oberbefehlshaber der Kriegsflotte Russlands seine Besorgnis darüber geäußert, dass die Nato die Arktis als ihre Interessenspäre bezeichnet und ihre Handlungen, die auf die Dominanz in dieser Region abzielen, immer systematischer und koalitionsartiger werden. Als Gegenmaßname muss Russland seine Nord- und Pazifikflotte verstärken. Aber weder diese Bemühungen von Moskau noch die aggressive Position von Ottawa haben die Kraftverteilung wesentlich verändert, denn die militärische Präsenz der USA, wenn auch seine Truppen südlich des Polarkreises bleiben, übertrifft die Möglichkeiten der anderen Mitglieder der „Arktischen Acht“. Der Wettlauf um Ressourcen und Transportrouten, die Diskripanzen, die Militarisierung und die globale Klimaerwärmung – all dies verwandelt den Kampf um die Arktis in ein komplexes und vielfaktorielles Spiel, wo die militärische Komponente immer mehr an Bedeutung gewinnt.
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